Winnigstedter Gespräche – 2019

Winnigstedter Gespräche - Folge 8, im Mai 2019

Name: Erika Eickhoff

Alter: 75 Jahre
Hobbys: Fotografie
Ehrenämter:  Vorsitzende des Kirchbauvereins, Vorstandsmitglied des Kulturrings und des Fördervereins der Grundschule Winnigstedt, Mitglied der Propsteisynode Schöppenstedt

1. Aus welchem Grund und wann hat es dich nach Winnigstedt gezogen?
Anfang der siebziger Jahre habe ich geheiratet und bin zu meinem Mann nach Winnigstedt gezogen, der dort seinen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftete

2. Warum bist du bis heute in Winnigstedt geblieben und was macht das Leben in Winnigstedt besonders aus?
Durch meine Familie, meinen Beruf, meine ehrenamtlichen Ämter und durch menschliche Verbindungen, die im Laufe der Jahre entstanden sind, ist der Ort zu meiner Heimat geworden.

3. Welches ist das bedeutsamste / beeindruckendste / nachhaltigste Ereignis, das du in Winnigstedt erlebt hast / dir in Erinnerung geblieben ist?
Das war die Grenzöffnung 1989. Es war eine große Erleichterung und Freude für uns, dass endlich diese bedrückende Grenze gefallen ist. Beeindruckt hat mich die spontan einsetzende Solidarität und Hilfsbereitschaft gegenüber den Menschen aus der damaligen "DDR". Wir haben viele Aktionen ins Leben gerufen, um unsere "Nachbarn" mit spontaner Hilfe zu unterstützen. Hierzu gehörte u.a. die Bewirtung der Durchreisenden in unserem zu diesem Zweck umfunktionierten Schützenhaus.

Vierzig ehrenamtliche Helfer haben über einen Zeitraum von sechs Wochen ca. 6.000 Menschen mit "Speis und Trank" versorgt und sich Zeit genommen, sich ihre Sorgen anzuhören. In dieser Zeit ist die Dorfgemeinschaft sehr zusammengewachsen.

4. Was gefällt dir in Winnigstedt am besten?
Winnigstedt ist eingebettet in eine schöne Landschaft umgeben von weiten Feldern. Ich wohne mit meiner Familie auf einem wunderschönen Hof mit mehreren Generationen zusammen. Daneben genieße ich es in unserem Garten selbst Obst und Gemüse anzubauen und ihn gemeinsam mit meiner Familie zu bewirtschaften.

5. Welcher Ort / welches Gebäude / welcher Platz hat für dich eine besondere Bedeutung / Faszination?
Die Christuskirche hat für mich eine besondere Bedeutung. Wir haben durch den Kirchbauverein dieses historisch einmalige Bauwerk mit viel Energie und Arbeitsaufwand vor dem Verfall retten und seinen ursprünglichen Zustand wieder herstellen können.

Unter anderem hat uns für dieses Engagement auch die Landeskommission beim Dorfwettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" ausgezeichnet.

6. Wo siehst du in Winnigstedt noch Potential?
Die Zusammenarbeit der Vereine, der Parteien und der Kirche durch offenen Austausch zu fördern und ehrenamtliche Ressourcen effektiver zu nutzen.

7.  Mit welchem Satz würdest du für Winnigstedt bei Freunden, Verwandten / Kollegen werben?
Winnigstedt - ein Ort, in dem Kinder noch naturnah und frei aufwachsen und sich Ältere generationsübergreifend eingebunden fühlen können.

8. Welches Projekt würdest du am liebsten in Winnigstedt anstoßen?
Bestehende Projekte weiterhin begleiten.

9. Welche Veranstaltung würdest ihr gerne in Winnigstedt erleben, die ihr auch ggf. selbst bereit werdet zu organisieren?
In fünf Jahrzehnten haben meine Familie und ich mich kirchlich, gesellschaftlich, kulturell und über Parteigrenzen hinweg immer engagiert. Viele Feste, ob in der Kirche oder der Gemeinde mit Menschen aus dem Dorf organisiert. Einen Kunsthandwerkermarkt um die Christuskirche herum wäre noch ein Wunsch und dass die Christuskirche noch mehr für musikalische Veranstaltungen genutzt wird.

10. Unbeachtet finanzieller, rechtlicher, tatsächlicher oder anderer Gründe, was wünschst du dir für oder in Winnigstedt?
Dass das Dorfbild sich verbessert, Bauruinen beseitigt werden und die Grundstückseigentümer zu mehr Pflege und Erhaltung motiviert werden können. Ganz wichtig ist es, die Grundschule, den Kindergarten und die Kirchen zu erhalten und die dort Tätigen zu unterstützen.

Frage des Ortsbeauftragten:
Welche Vorschläge hättest du, um mehr, vor allem junge Winnigstedter für Ehrenämter zu begeistern ?
Da hilft nur die persönliche Kontaktaufnahme. Zur Zeit bestehen viele Möglichkeiten sich zu engagieren. Vielleicht könnte man für das Dorffest 2020 mal eine Darstellung der Vereine einplanen.

Frage des Bürgermeisters:
Wo siehst du den Ort Winnigstedt in zehn Jahren?
Was hat sich verändert, welche Hoffnung hat sich erfüllt?
In meinem Alter denke ich in kürzeren Abständen. Für mich ist es wichtig, dass die anstehenden Projekte zeitnah durchgeführt werden sollten und die Parteipolitik außen vorgelassen wird.

Das Interview führte Martin Pape